Bereits zum zweiten Mal veranstaltete das Berufliche Schulzentrum Hechingen (BSZ) in der Stadthalle einen Pflegekongress. Eine gelungene Kombination aus spannenden Fachvorträgen und vielen guten Gesprächen bei ebenso gutem Essen begeisterte an die 300 Pflegekräfte und Auszubildende. „Wir sind von der Resonanz begeistert“, freuten sich entsprechend die Organisatorinnen Anja Kratschmer und Anke Schreiber. Die meisten Teilnehmenden kamen aus der Region, aber Anmeldungen aus dem Stuttgarter Raum, aus Rheinland-Pfalz und sogar aus der Schweiz zeigten, wie weit sich das Konzept aus Wissensvermittlung, Unterhaltung und Wohlfühlatmosphäre schon rumgesprochen hat.
Silvia Schimon-Sauter, Pflegedienstleitung im Hechinger St. Elisabeth-Pflegeheim, besuchte bereits den ersten Pflegekongress: „Mir hat es vor zwei Jahren sehr gut gefallen und auch dieses Jahr ist das Programm wirklich interessant“, so Schimon-Sauter und brachte gleich zehn Pflegekräfte aus ihrem Team mit.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Moderator Felix Gaudo, der auch als Klinik-Clown arbeitet. Ihm gelang es zwischen den einzelnen Vorträgen mit Humor und aktivierenden Übungen die Konzentration hoch zu halten und die Blicke für Neues zu öffnen. BSZ-Schulleiter Arndt Bayer wünschte in seiner Begrüßung allen einen gelungenen Tag des Miteinanderredens, des Lachens, des Vernetzens, des Genießens, des Auftankens und viele gute Nachrichten in einem oftmals schwierigen Beruf. Cornelia Staab, Dezernentin für das Haupt-, Kultur- und Schulamt im Zollernalbkreis, lobte den Kongress als wichtige Plattform für den Austausch und die Qualifizierung in der Pflege und wünschte den Teilnehmenden einen interessanten Tag.
Die erste Referentin war Nicola Fritze. „Motivier dich selbst! Sonst macht’s keiner!“ war das Motto ihres Vortrags. In einem energiegeladenen Vortrag motivierte sie die Teilnehmenden, sich der eigenen persönlichen und beruflichen Situation bewusst zu werden und hiervon ausgehend in Bewegung zu kommen und Handlungsspielräume zu finden.
Anschließend beleuchtete Carola Fromm das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung in der Langzeitpflege. Durch die Gegenüberstellung von biomedizinischer und care-ethischer Perspektive wurde deutlich, wie schwer es sein kann, zu Ergebnissen zu kommen, die alle zufrieden stellen. Ein ähnlich schweres Thema hatte Professor Alex Schmid. Er setzte sich mit der Begleitung von Menschen am Lebensende unter rechtlichen Aspekten auseinander. Den Schwerpunkt hierbei bildete der assistierte Suizid, der auch in Deutschland möglich ist, seit das Bundesverfassungsgericht nicht mehr das Wohl, sondern den Wunsch des Patienten in den Mittelpunkt der Entscheidung rückte. Schmid bedauerte das Fehlen einer konkreten Folgegesetzgebung und auch die Fragen im Anschluss an seinen Vortrag verdeutlichten, wie sehr das Thema im Praxisalltag brennt. Die Berliner Ärztin Andrea Nakoinz referierte zum Thema Hitze in der Pflege im Zeitalter des Klimawandels. Es wurde klar, was unter diesem Aspekt für große Herausforderungen auf Patienten und Mitarbeitende weiter zukommen. Präventive Maßnahmen wie etwa Kühlwesten und Schulungen seien dringend geboten. Doch letztlich sei die Hitze nur ein Symptom, Anpassung dürfe nicht heißen, auf Klimaschutz zu verzichten. Das Thema von Sandra Eberus war, wie basale Stimulation in allen Pflegesettings umsetzbar gestaltet werden kann. Sie appellierte, die Pflege durch verschiedenste Angebote an den Bedürfnissen der Patienten auszurichten, zum Beispiel indem den Patienten ermöglicht wird, möglichst viel selbst zu machen. Der Schlussvortrag war Florian Merk vorbehalten. Er unterrichtet unter anderem das Schulfach „Glück“. Zu Beginn zeigte er auf, wie brisant das Thema in der Pflege ist, seien doch Pflegekräfte überdurchschnittlich von Stress, Depression und Suizid-Gedanken betroffen. Im Zusammenspiel mit den Teilnehmenden konnte er eindrucksvoll darlegen, wie gute Beziehungen zu sich selbst und auch zu anderen unser Wohlbefinden bestimmen. „Fragen Sie sich, wofür Ihre Zeit etwas wert ist und entwickeln Sie eigene Lebenskompetenzen. Nur ein aktiver Gestalter seines Lebens ist ein glücklicher Mensch“, so Merk.
Die Teilnehmenden hatten dank vieler Pausen und verschiedener Übungen zum Mitmachen immer wieder die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und sich wieder neu auf den nächsten Vortrag zu konzentrieren. Auch musikalische Piano-Darbietungen durch den Lehrer Alexander Thiel sowie den Schüler Lukas Holocher wussten zu begeistern. Auch die vom Restaurant Museum und der Schule organisierte Verpflegung sorgte für eine Atmosphäre, in der sich die Teilnehmenden wohlfühlen konnten.
Im hinteren Teil der Stadthalle präsentierten sich die AOK, Bisinger Copia Med, Brillinger, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Elsevier und Ewimed mit Infoständen den Kongressteilnehmern. An einem Stand des BSZ konnten sich die Pflegekräfte auch über Weiterbildungsmöglichkeiten an der Schule informieren.
Nach dem offiziellen Programm verabschiedeten Schulleiter Bayer und Moderator Felix Gaudo die Teilnehmenden. Ihr großer Dank galt den beiden Organisatorinnen Anja Kratschmer und Anke Schreiber. Beide zeigten sich sehr zufrieden mit dem diesjährigen Pflegekongress: „Die positiven Rückmeldungen und die große Teilnehmerzahl verdeutlichen den Bedarf an solchen Veranstaltungen. Wir freuen uns riesig über die lobende Anerkennung, die wir jetzt schon für den Kongress erhalten haben. Wir sind auf die neuen Impulse gespannt, die wir auf einem weiteren Kongress in den nächsten Jahren setzen können.“ Abschließend konnten die Teilnehmenden im Foyer der Stadthalle bei einer Happy Hour mit Cocktails die vielfältigen Eindrücke des Kongresses verarbeiten.












