Mariia Diachenko und Illia Melnykov sind 2022 vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Beide haben im Zollernalbkreis schnell Fuß gefasst und nun mit ihrem Abschluss an der Berufsfachschule des Beruflichen Schulzentrums Hechingen (BSZ) einen großen Meilenstein mit Bravour geschafft: Illia Melnykov konnte sich als einziger seiner Klasse über eine Belobigung freuen, Mariia Diachenko bekam als Jahrgangsbeste sogar einen Preis. Grund genug nachzufragen, wie sie das geschafft haben.
Ihr habt beide ein tolles Abschlusszeugnis bekommen und seid damit nicht nur die besten eurer Klasse, sondern des ganzen Jahrgangs. Wie habt ihr das geschafft?
Mariia: Ich denke, dass vieles von der Persönlichkeit eines Menschen abhängt. Vor allem meine eigenen Ziele haben mich dazu motiviert, mehr als andere zu machen und manche Abende mit Büchern zu verbringen. Manchmal haben mich auch meine Ängste zum Lernen gebracht. Am Anfang konnte ich überhaupt kein Deutsch, aber ich wollte nicht schlechter als die anderen Schülerinnen und Schüler sein. Deshalb habe ich mehr gelernt, um mit ihnen auf dem gleichen Niveau zu sein.
Eine große Hilfe war dabei das VABO am BSZ, wo wir beide erstmal zwei Jahre intensiv Deutsch gelernt haben. Nur dank dieser sprachlichen Grundlage konnten wir dann in der Berufsfachschule durchstarten.
Illia: Ich kann mir meine Zeit gut einteilen. Außerdem habe ich viel Mühe investiert, den Stoff nicht nur auswendig zu lernen, sondern ihn auch wirklich zu verstehen.
Was hat euch in Deutschland Schwierigkeiten bereitet, was hat euch geholfen?
Mariia: Besonders große Schwierigkeiten hatten wir eigentlich nicht. Nur die deutsche Bürokratie mit ihren vielen Formularen hat mich manchmal etwas überfordert.
Illia: Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten, das deutsche Schulsystem und die Kultur zu verstehen. Große Probleme hatte ich aber nicht. Meine Eltern, meine Freunde und auch meine Lehrer haben mich immer unterstützt und motiviert. Die Lehrkräfte haben mir besonders geholfen, wenn organisatorische oder bürokratische Angelegenheiten geklärt werden mussten.
Worin bestehen die Unterschiede zwischen dem ukrainischen und dem deutschen Schul- und Ausbildungssystem?
Mariia: Das ukrainische Bildungssystem ist ziemlich anspruchsvoll und eher allgemein aufgebaut. In Deutschland kann man sich früher für einen bestimmten beruflichen Bereich entscheiden und sich gezielter in diese Richtung entwickeln. Außerdem sind die Lehrkräfte in der Ukraine viel strenger als in Deutschland.
Illia: Die meisten ukrainischen Schüler sind ziemlich leistungsorientiert. In der Ukraine hatten wir immer viele Hausaufgaben, die wir selbstständig bearbeiten mussten. An der Berufsfachschule konnten wir die meisten Aufgaben nachmittags in der offenen Lernzeit erledigen.
Wie geht es jetzt nach dem Schulabschluss für euch weiter?
Mariia: Ich hatte in der Berufsfachschule das Profil Wirtschaft. Da würde ich mich gerne weiterentwickeln und mein Wissen vertiefen. Zuerst mache ich eine Ausbildung als Industriekauffrau, aber mein Traum ist es, auch noch zu studieren.
Illia: Maria und ich ziehen Anfang August zusammen nach Stuttgart. Wir haben beide einen Ausbildungsplatz in einer guten Firma bekommen. Das ist ein guter Start für unsere Karriere und eröffnet uns viele Möglichkeiten. Außerdem möchte ich in Zukunft mehr reisen.












